Projekt "Tapetenwechsel"
Presseartikel
Claudia Lieberwirth - "Fenster als Blick auf die Welt"
Fenster haben eine große Bedeutung im Leben der Menschen, sie stellen Schutz und eine gewisse Transparenz des Lebens dar. Khalil Gibran sagte zu diesem Thema: „Viele Lehren sind wie eine Fensterscheibe. Durch sie sieht man die Wahrheit, aber sie trennt uns von der Wirklichkeit.“
Unter dem Thema „Tapetenwechsel“ wollte ich mit Dingen arbeiten, welche bereits im Haus vorhanden waren. Die Buntglasfenster fielen mir schon bei der ersten Begehung ins Auge. Ich versuchte die alten Ideen zu modernisieren und gestaltete Buntglasfenster, wie ich sie später in meinem eigenen Haus verwenden würde. Hierbei verwendete ich Farben, welche bei Sonneneinstrahlung ein herrliches Lichtspiel in den Raum zaubern.
Mein Ziel ist es, das Alte, was bereits im Haus vorhanden war durch meine moderneren Vorstellungen zu ergänzen und somit auch die Unterschiede zwischen früher und heute hervorzuheben.
Elke Coldiz - "Unter einem Hut"
Eigentlich geht jeder Tag in der Küche los und dort werden meist die Pläne für den jeweiligen Tag geschmiedet und darum ist die Küche so bedeutend: In ihr liegen die Ideen zur Veränderung.
Mir lag etwas daran, mit einer witzigen Idee ernstes Nachdenken anzustoßen. Wie kann jeder einen Teil dazu beitragen, dass alle miteinander zusammen leben können? Jeder sollte sich ganz individuell einbringen können (unterschiedlich lange Drähte), ein ernstzunehmender Teil der Gesellschaft sein, der für alle anderen wichtig ist. Gerade heute in der Welt der Technisierung und des Fortschritts sollten wir überlegen, was wirklich Nutzen und was Schaden bringt, und wie man alle „unter einen Hut“ bringen kann.
Alexander Claus - „Gießen und gegossen werden“
Dieses Projekt stellt einen Prozess dar, der im Zuge des "Tapetenwechsels" auf metaphorische Weise das Motto einer sich ständig wandelnden Gesellschaft ausdrücken soll.
Dabei steht das "Gießen" für den Prozess der Neugestaltung und Neuformung, der aus Einschmelzen des Alten, In-Form-bringen der Rohmasse und schließlich Entstehung des Neuen besteht.
Der Titel entstand in Anlehnung an die antithetisch zueinander stehenden Sprüche "Fressen oder gefressen werden" und "Leben und leben lassen", welche wie ein Naturgesetz den aktuellen Zustand der zwischenmenschlichen Verhältnisse innerhalb unserer Gesellschaft beschreiben.
Genauso soll das Projekt "Gießen und gegossen werden" auf naturgesetzartige Weise verdeutlichen, dass alles Materielle, aber auch Ideelle, stets einem ständigen Prozess des Werdens und Vergehens unterzogen wird und somit im Alten bereits das Neue zu finden ist.
Dabei stehen dieses Haus an sich und die hier bereits gefundenen Utensilien und Objekte für das Alte und somit für das Vergängliche, das Einschmelzen und Gießen für das Neudefinieren und die entstanden Objekte für das Neugewordene.
Alt und Neu sind also untrennbar miteinander verbunden und deshalb ist auch der "Tapetenwechsel", der sich auf unsere Gesellschaft bezieht, ein immerwährender Prozess, der nie vollendet wird und nie zum Stillstand kommt.
Bianca Neukirch -
„Raum der Emotionen[nz]Angst, Verzweiflung, Freude, Wut, Zuneigung“
Unser gesamtes zwischenmenschliches Dasein basiert auf Gefühlen. Mit Hilfe von Emotionen können wir uns besser ausdrücken und unseren Mitmenschen zeigen, was in uns vorgeht. Aber Gefühle sind nicht beständig. Es erfolgt ein ständiger Wechsel zwischen den verschiedensten Gefühlslagen, wie man dies auch in meinem Projekt erkennen kann.
Ganz bewusst habe ich mir das ehemalige Schlafzimmer ausgesucht, denn in der Nacht sind die Gefühle viel stärker und intensiver als am Tag.
Die Tapete ist sozusagen die Haut des Hauses, da Emotionen unter der Haut stecken. Wenn man die Tapete abreißt, dann blickt man direkt in die Gefühlswelt hinein. Außer bei der Verliebtheit, denn dieses Gefühl überlagert alles.
Die moderne Welt von heute ist rational und ohne viele Emotionen. Ich versuche durch dieses Projekt wieder auf die Wichtigkeit der Gefühle aufmerksam zu machen.
Christin Richter - „Bedrückung“
In diesem Raum spiegelt sich das Thema „Bedrückung“ wieder. Vorher befand sich hier eine kleine Vorratskammer, die zwar räumlich beengt, aber dennoch hell war. Die hellen Wände sind mit Stoffen und Zeitung behängt, was den Raum enger wirken lässt. Alles in diesem Raum ist verkleidet und verhüllt, wie auch die Bedrückung alles einnimmt. Viele Menschen lassen sich von ihrer Umwelt und zahlreichen Einflüssen erdrücken. Diese Bedrückung „frisst“ sich immer weiter in unser Leben und bestimmt dieses letztendlich…
Janice Zach - „Einblick – Ausblick“
Geben Sie bitte an: Anzahl der Brusthaare, Anzahl der Operationen bis zum heutigen Zeitpunkt, Anzahl der Sexualpartner ...
Der Mensch in unserer heutigen Gesellschaft steht immer mehr im Zwiespalt der Kommunikation: Was kann er öffentlich von sich preis geben, ohne dass seine Privatsphäre beeinträchtigt wird? Es entsteht ein Kreislauf aus dem Zurückziehen in die Privatsphäre und gleichzeitig dem Öffnen der „Internettüren“ zum Privatbereich.
Täglich geben wir unbewusst persönliche Daten frei, ohne über die Bedeutung und die weitere Verwendung derer nachzudenken. Selbstverständlich wird die Veröffentlichung dieser Daten, sowohl in der realen Welt als auch in der virtuellen Welt, auf Schritt und Tritt von den Augen dieser Zeit beobachtet.
Auch das Eintauchen in die Schattenseiten des Fortschritts ist ein Fortschritt für unsere Gesellschaft. Heute schon den Status gemeldet?
Jasmin Bergner - „Das perfekte Leben“
Gibt es ein Leben, welches zu 100% perfekt ist?
Genau diese Frage habe ich mir in meinem Projekt gestellt. Viele Menschen sind sehr zufrieden mit ihrem Leben,
doch egal was es ist, irgendetwas fehlt immer.
In meinem Projekt stelle ich mein persönliches, perfektes Leben dar, welches aber so nie möglich ist.
Da- egal ob ich mich in der Zukunft für Deutschland oder Österreich entscheide,- ein Teil meines "perfekten Lebens" wird immer fehlen.
Die Darstellungsweise der Puzzle soll zeigen, dass jedes Puzzleteil vorhanden sein muss, damit ein Leben perfekt ist!
Und deswegen ist es genau die Aufgabe unserer Generation die Puzzleteile so gut wie möglich zusammen zu bringen und unsere fragmentarische Welt zu vereinen.
Die Bürgergarten-Villa ist ebenfalls ein Puzzle im Ganzen, denn alles rund herum verändert sich.
Katharina Neubert - „Freiheit ist…“
… nicht für jeden selbstverständlich.
… Selbstverwirklichung
… Neues zu erschaffen.
Diese und weitere andere Antworten gaben mir Stollberger Bürger, als ich fragte, was Freiheit für sie bedeutet.
In diesem lichterfüllten Raum der Bürgergartenvilla, der den Blick nach allen Seiten ermöglicht, fühlt man sich sofort leicht und schwebend. Genau dieses Gefühl der Freiheit wollte ich einfangen und mit meinem Projekt ausstrahlen.
Katharina Vogel - „Altar der Äußerlichkeiten“
Die äußere Hülle von Menschen, genauso wie von Dingen, spielt eine viel zu große Rolle in unserer modernen, globalisierten Welt. Wo es keine echte Wärme und keinen echten Zusammenhalt gibt, sondern nur eine Pseudo-Freundschaft, die auf der gleichwertigen Kaufkraft beruht, da vereinsamt der Mensch. Diese glitzernden Hüllen behindern uns in unserem Umgang mit Menschen.
In meiner Installation habe ich das unnütze Bar-Objekt zu einem Altar umfunktioniert. „Dargebracht“ werden vor diesem Altar glitzernde, schimmernde Objekt, die im Haus herumlagen. Diese sind zu einem Mosaik angeordnet, das Eines erreichen soll - schön aussehen, nichts weiter. An der Decke hängt eine Lampe, ähnlich den Weihrauchgefäßen in der katholischen Kirche. Symbolisch für Licht und Erleuchtung stehend, wurde diese Lampe vollkommen zweckentfremdet, denn Räucherstäbchen vernebeln den Raum.
Marmor und Glas zerbrechen recht schnell, was die Unbeständigkeit von materiellem Reichtum und wertlosen Normen verdeutlicht, trotzdem hängen wir an dem kitschig bunten Papagei und dem besonders schönen Muster auf der Porzellankachel.
Auf diese Art hängen wir auch an unseren materiellen Hüllen, die wir überwinden müssen, um einen Tapetenwechsel in unserer Gesellschaft zu bewirken.
Kevin Ott & Maximilian Grögor - „Ordnung ist das halbe Leben“
Diesen Satz hat jeder von uns seit Kindertagen gepredigt bekommen, doch was ist Ordnung und wie kann man sie erreichen?
Gerade der unordentlichste Raum im Haus inspirierte uns zum Ordnen. Wir wollten unser Augenmerk auf die anfangs unsichtbaren Dinge werfen und diese in Szene setzen. Die Entstehung ist nur mit Materialien des Hauses vonstattengegangen, wie zum Beispiel die Türen als Schalung, die Mischwanne aus dem Keller und die Leiter vom Oberboden. Dieses Neudenken mit den alten Objekten lässt uns zu absoluter Ordnung gelangen.
Laura Vetter - „Werden & Vergehen - Ein Lebenswandel“
Die Stufen des Lebens beginnen mit der Geburt und enden mit dem Tod. Innerhalb seines Lebens macht jeder Mensch in verschiedenen Entwicklungsstufen neue Erfahrungen und gewinnt neues Wissen. Er geht seine Lebenstreppe immer höher bis zum Lebensende. Während die Wandbilder die körperlichen Veränderungen zeigen und die Schuhe die Schritte, die man geht, steht das Mobile für den Wende- und Mittelpunkt des Lebens. Mit dem Herz in DNA-Form erstrahlt es in der Mitte der Lebenstreppe. Ich lade Sie ein, selbst diese und Ihre eigene Lebenstreppe zu gehen. Nehmen Sie die verschiedenen Fixpunkte bewusst wahr und feiern Sie diese - irgendwann werden auch Sie auf die bunt bemalten Stufen Ihres Lebens zurückschauen können. Denn Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi.
Phillip Striezel - „Der Friedhof“
In meinem Raum hat wahre Veränderung Einzug gehalten. So gut wie kein Stück des Zimmers ist so verblieben, wie es zu Beginn war. Das Thema Friedhof wählte ich in Kontrast zu dem einst hellen Raum des Dachgeschosses, welcher auf mich im ersten Moment einen positiven Eindruck machte. Hinzu kommt, dass der Friedhof den Abschluss des Lebensweges darstellt, welcher auf der Treppe, als anderes Projekt verwirklicht wurde. Außerdem bringt man mit einem Friedhof automatisch den Tod in Verbindung & unser Projekt könnte das letzte sein, was mit dem Haus vor seinem Tod, beziehungsweise dem Abriss passiert.
An Materialien habe ich mich komplett den Gegebenheiten des Hauses angepasst & genutzt, was vorhanden war. Dies versuchte ich auf vielseitigen Wegen, um die erneute Nutzung von alten Dingen darzustellen.
Nicole Geier - „registrieren – identifizieren – transformieren“
Politikmagazine, Boulevardzeitschriften oder Werbeflyer – im Laufe der Zeit tauchen immer mehr Anglizismen in unserer Sprache auf, analysiert an sämtlichen Schriftstücken, die in diesem Haus zu finden waren. Sprachentwicklung als ein niemals endender Prozess bringt sowohl vorteilhafte Veränderungen zum besseren Ausdruck (z.B. das Wort „Feedback“) mit sich als auch Begriffe, die die Wirkung unserer Worte zerstören. Durch bedachte Verwendung können englische Ausdrücke die deutsche Sprache bereichern, sofern man sie nicht im falschen Zusammenhang verwendet. Hat man einen solchen Ausdruck aufmerksam registriert, muss er in unserem Kopf, dem zentralen Knotenpunkt, identifiziert und schließlich in einen deutschen transformiert werden. Können Sie das Netz verdichten und wissen, welches Wort welche Bedeutung hat?